Beethovens letzte Wohnung in Wien. Eine digitale Rekonstruktion

24 / 05 / 2011 Fritz Göran Vöpel

Digitale Rekonstruktion von Beethovens letzter Wohnung in Wien in Zusammenarbeit mit Dr. Marcus Frings – Kultur und Neue Medien.
Marcus Frings, Fritz Vöpel, Silke Bettermann: Beethovens letzte Wohnung in Wien. Eine digitale Rekonstruktion. Bonn (Beethoven-Haus Bonn) o.J..

Artikel für die Creative Live 03/2004 · Juli / August : Beethovens letzte Wohnung in Wien – 3ds max in der Wissenschaft
Beethovens letzte Wohnung in Wien wurde für eine Multimedia-Präsentation auf CD-Rom und für ein Terminal in den Museumsräumen des Beethoven-Hauses in Bonn digital rekonstruiert. Der Besucher kann sich so ein Bild von der unmittelbaren Lebenswelt des Komponisten machen. Die Aufgabenstellung beinhaltete zum einen die forschungsbegleitende Aufarbeitung und dreidimensionale Umsetzung des Quellenmaterials, zum anderen die Integration der erarbeiteten Ergebnisse in ein geschlossenes Gesamtbild der Wohnung.

Digitale Rekonstruktion von Beethovens letzter Wohnung in Wien – sogenannte Rumpelkammer / image by Fritz Göran Vöpel, 2004/2011

Digitale Rekonstruktion von Beethovens letzter Wohnung in Wien – sogenannte Rumpelkammer / image by Fritz Göran Vöpel, 2004/2011

Styleguide: Um eine Übereinstimmung zwischen Inhalt und Darstellung zu erzielen, wurde ein zeitgenössischer Blick auf die Dinge erarbeitet. Es wurden Darstellungsformen des Biedermeiers recherchiert, um Stilvorgaben für die Renderings zu entwickeln. Als Grundlage für die Darstellung wurden aus der Analyse von zeitgenössischen Ölgemälden abgeleitet ein reduziertes, abgestuftes Farbspektrum mit einer kontrastierenden Primärfarbe bei wenigen Effektfarben, die Verwendung von gesättigten matten Farbskalen, von intensiven weichen Glanzlichtern, weichen Lichtverläufen und hohen Hell-Dunkel-Kontrasten. Ziel war nicht die Imitation eines Ölgemäldes, sondern die Sichtweise des Biedermeiers auf die Renderings zu übertragen.

Digitale Rekonstruktion von Beethovens letzter Wohnung in Wien - Empfangszimmer

Digitale Rekonstruktion von Beethovens letzter Wohnung in Wien - Empfangszimmer / image by Fritz Göran Vöpel, 2004/2011

Quellen und Modellierung: Eine besondere Herausforderung des Projekts war die Vielzahl an Quellen in verschiedenen Darstellungsformen. So waren Möbel und Accessoirs – neben erhaltenen Originalen – nur durch sehr grobe Skizzen oder einzelne Fotos überliefert. Für die Räume selbst standen Fotografien aus dem 19. Jahrhundert sowie historische Pläne und Skizzen zur Verfügung. Die ursprüngliche Farbgebung der Wände ist nur für einen Raum durch ein Aquarell überliefert. Die Farbgestaltung der übrigen Räume wurde in der ästhetischen Logik des Biedermeiers ergänzt.

Digitale Rekonstruktion von Beethovens letzter Wohnung in Wien - Kompositionszimmer

Digitale Rekonstruktion von Beethovens letzter Wohnung in Wien - Kompositionszimmer / image by Fritz Göran Vöpel, 2004/2011

Das Modellieren und Texturieren von Objekten, das einerseits genauen wissenschaftlichen Vorgaben entsprechen musste, für das aber andererseits kein konsistentes Planmaterial vorlag, gestaltete sich entsprechend schwierig und aufwendig. Zeichnungen und Photos wurden entzerrt und als Zeichen- und Texturvorlagen zu Ansichten zusammengesetzt. Fehlende Bereiche wurden nach historischen Vergleichsbeispielen ergänzt. Überlieferte Originale wurden durch Fotografien im Überblick und in Details dokumentiert und ebenfalls in Texturvorlagen übertragen. Die hochdetaillierten Modelle wurden dann anhand der erstellten Vorlagen modelliert. Es wurde, soweit bekannt, jede Fläche mit Originaloberflächen belegt.

Digitale Rekonstruktion von Beethovens letzter Wohnung in Wien - Musikzimmer / image by Fritz Göran Vöpel, 2004/2011

Digitale Rekonstruktion von Beethovens letzter Wohnung in Wien - Musikzimmer / image by Fritz Göran Vöpel, 2004/2011

Workflow und Datenverwaltung: Eine forschungsbegleitende Arbeit hat andere Bedingungen als Projekte, die nach einem vorher festgelegten Drehbuch entwickelt werden. Noch mehr als sonst ist ein flexibler Datensatz eine Voraussetzung für effizientes Arbeiten. Die Vielzahl an modellierten Objekten, für die während des Projektablaufs immer wieder neue Informationen zur Verfügung gestellt wurden, mussten in eine Struktur eingebunden werden, die eine leichte Verwaltung und Aktualisierung ermöglicht und zulässt, jeden Zwischenstand als Grundlage für die weitere wissenschaftliche Arbeit auszugeben. Für die Organisation der Geometrie- und Texturdaten wurde auf extern referenzierte Objekte in einer zentralen Dateistruktur zurückgegriffen. So war ein einfaches Austauschen der Objekte im laufenden Forschungsprozess und eine einfache Verwaltung von Varianten möglich. Fritz Göran Vöpel, 2004


Credits:

Marcus Frings – conception + research
Fritz Göran Vöpel – reconstruction + production



Virtuelles Heiligtum – Kunsthistoriker haben Beethovens letzte Wohnung in Wien rekonstruiert – 27.09.2004 – KulturSPIEGEL 10/2004
Beethovens letzte Wohnung in Wien. Eine digitale Rekonstruktion – 27.08.2004 – Bauwelt 33/04
Beethovens letzte Wohnung in Wien. Eine digitale Rekonstruktion – 27.08.2004 – WDR 3 – MOSAIK
Die letzte Wohnung Beethovens – Ein Rundgang auf CD-ROM – 25.08.2004 – Bayern 4 Klassik – Allegro
Zu Hause bei Beethoven – 3ds max in der Wissenschaft – Creative Live 03/2004
Besuch beim Meister – Virtueller Rundgang durch Beethovens letzte Wiener Wohnung – 24.06.2004 – General-Anzeiger Bonn
Zu Besuch in Ludwigs Reich – Digitale Rekonstruktion von Beethovens letzter Wohnung – 24.06.2004 – Kölnische / Bonner Rundschau